Oktober/November 2004

Der Comedy-Thriller "Zum Henker mit den Henks" ("Tiptoe Through the Tombstones") von Norman Robbins.
Deutsche Bühnenfassung von Axel von Koss

 
Was passiert ?

Seit über 400 Jahren folgt die Henk-Familie einer bizarren Tradition: Man betreibt Meuchelmord als Geschäft - mit einer Perfektion und Raffinesse, die nie auch nur den leisesten Verdacht aufkommen ließen. Auch Familienpatriarch Septimus Henk beherrschte dieses Metier meisterhaft. Doch vor einigen Jahren war nun Septimus selbst seinen Opfern in eine bessere Welt gefolgt und hinterließ seinen Erben ein beträchtliches Vermögen. Bei der Testamentseröffnung auf Monument House, dem Familien-Stammsitz der Henks, ereigneten sich eine Reihe merkwürdiger „Unfälle“, denen nacheinander alle direkten Erben und sogar der Testamentsvollstrecker Pennworthy selbst zum Opfer fielen. Auch die letzte Universalerbin des Henkschen Familienbesitzes, Monica Henk, verschwand damals spurlos, und Monument House steht seitdem leer. Staub und Spinnweben haben sich der Räume bemächtigt, und im Keller hausen die Ratten.

Doch nun kehrt wieder Leben in das alte Gemäuer ein, denn Familienanwalt Mortimer Crayle hat die letzten noch verbliebenen Mitglieder der Henk-Dynastie ausfindig gemacht und übers Wochenende nach Monument House geladen, vorgeblich zur endgültigen Regelung der Erbschaftsangelegenheiten. Doch in Wahrheit hegt Crayle ganz eigene Pläne, und unversehens sehen sich alle Anwesenden - auch Crayle selbst - vor die schaurige Alternative gestellt: „erben oder sterben“ ...

Norman Robbins nennt sein Stück einen „Comedy-Thriller“ und beschreibt es selbst so: „Denn es ist eine Komödie, fast eine Posse, ein schwarzgrauer Humbug, den wir dem Publikum zu seinem und auch zu unserem Spaß ... verkaufen wollen. Es ist eine kleine Hommage an jene schwarzen Komödien, die in den 50er Jahren, als ich ein junger Schauspieler war, die englische Theaterszene bereicherten.“

über den Autor

         



Der Autor:

Norman Robbins ist ein Theatermensch durch und durch. 1939 geboren, schnupperte er bereits im zarten Alter von drei Jahren erstmals Bühnenluft, und von da an sollte ihn das Theater nicht mehr loslassen. Er nahm Schauspiel- und Gesangsunterricht und begann eine Karriere als Operettensänger – aber der Komödiant in ihm ließ sich wohl auf die Dauer nicht unterdrücken. Er wechselte das Fach, warf sich – zunächst als Schauspieler - auf die Komödie, und der Erfolg ließ sich wohl auch nicht lange unterdrücken. Eine über 40-jährige, steile Bühnenkarriere sowie 30 erfolgreiche Jahre in Film und Fernsehen folgten.

Doch manche Komödianten sind komische Menschen. Sie wissen, wie man’s besser macht – nämlich wenn man’s selbst macht – und aus dem Schauspieler wurde auch ein Regisseur und Bühnenautor. Sein erstes Stück wurde 1975 aufgeführt, 23 weitere sollten noch folgen. Seine Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt und selbst im australischen, maltesischen und deutschen Fernsehen konnte man schon Stücke von ihm bewundern. 1979 erhielt Robbins eine Schauspielprofessur an der IOWA State University in den USA.

Neben seinen erfolgreichen Komödien verfasst Robbins auch höchst vergnügliche „pantomimes“, doch haben diese nichts mit Pantomime, wie wir sie verstehen, zu tun. Es handelt sich vielmehr um ein englisches Theaterfieber, das in seinem Heimatland um die Weihnachtszeit grassiert und weder erklärt noch bekämpft werden kann. Und dieses Fieber sorgt – so glauben wir wenigstens – auch in unserem Stück für zumindest etwas erhöhte Temperatur.




Personen:
 

       
   die Familie

 Octavia Henk

 Henrietta Henk

 Augustus Henk

 Athene Henk

 Fabia Henk

Dagmar
Ellert
 

Reinhard
Thiesmeyer

Rainer
Trageser

Karola
Faber

Iris
Grosche

   die Fremden
Mortimer Crayle Zoe Mapleton Vernon Previtt Edna Honeywell Larry Lewiss
Hartmut
Bister

 
Angela
Prast
Mirco
Thierfeldt
Carola
Kley
Richard
Bongartz

Wir danken allen, die uns in irgendeiner Form behilflich waren, für ihre freundliche Unterstützung.

Ein besonderes Dankeschön geht an Robert Heering, der die Titelmelodie komponiert und eingespielt hat.

Regie Technik Souffleuse
Jürgen
Fröbisch
Marco
Staub
Eva
Kreiß
   


 
Tagebuch für die Henks

Es vergeht viel Zeit, bis ein Stück bühnenreif ist. Lesen Sie (unten das Jüngste), wie sich "Zum Henker mit den Henks" bis zu den Aufführungen in diesem Herbst entwickelt.

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So ein paar Morde begeht man nicht einfach mal so nebenher. Alles, was die durchgeknallte Familie Henks in die Tat umsetzt, will gut durchdacht sein. Da ist es kaum verwunderlich, dass sich die Sippe noch ein ganzes Jahr Zeit genommen hat, um die Zeugen ihrer Meucheleien zu verwirren und letztlich zu unterhalten. Die Startisten haben also ein Jahr pausiert, um ihr neues Stück dem Publikum vorzuführen. Seien Sie gewarnt: Die Theatergruppe hat sich fest vorgenommen, sie diesmal an der Nase herumzuführen. Was haben die einzelnen Schergen vor? Und wer verbirgt sich hinter der Maske des Clowns?

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Sommer 2003
 

Schon bei den Vorbereitungen beschäftigt das Ensemble weniger die Frage, wer bekommt welche Rolle. Schnell steht fest, wer den keifenden Augustus spielt oder die korpulente Henrietta mit leichtem Bartwuchs. Auch die vor lauter Aura förmlich über die Bühne schwebende Oktavia und der Anwalt mit Mini-Rolle (der stirbt halt als Erster schon nach ein paar Szenen. Bei den Henks kommt halt keine Langeweile auf) sind schnell gefunden. Viel größeres Kopfzerbrechen bereitet die Frage, wer in den gut zweieinhalb Stunden eigentlich wen ermordet. Gar nicht so leicht, das genau herauszufinden: Denn jeder auf der Bühne denkt im Grunde nur an sich und setzt seine Pläne – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg – in die Tat um.

 

pfeil_klein.gif (342 Byte) Herbst 2003

Wo steht das Bücherregal mit Geheimtür? Wo ist der Eingang? Welche Farbe bekommt die Wand der Bibliothek? Und wo stehen die Karaffen mit giftigem Sherry. Das Bühnenbild will geplant sein. Jeder macht sich Gedanken, welche Requisiten und Kostüme benötigt werden. Zu Hilfe kommt den Startisten eine andere Theatergruppe, die ein anderes Stück mit der Henk´schen Sippe spielt. Die leihen die Bühnenteile aus und bemalen sie schon. Schön praktisch.

 

pfeil_klein.gif (342 Byte) Winter 2003

Seite für Seite, Szene für Szene: Die Schauspieler merken, dass es nicht nur darum geht, das Hackebeil zu schwingen oder mit Pistolen zu zielen. Ein Stromkabel in der Badewanne mag einen echten Henk in Verzückung zu versetzen. Die Darsteller müssen aber erst einmal mit ihrem Text klarkommen – und das ist nicht gerade wenig. Und nach dem Prinzip der zehn kleinen Negerlein, müssen mit dem Dahinscheiden der einzelnen Familienmitglieder die restlichen Verbliebenen um so mehr sprechen.

 

pfeil_klein.gif (342 Byte) Frühjahr 2004

Schauspielern ist mehr als einfach auswendig lernen: „Zum Henker mit den Henks“ verlangt, sich mit den Charakteren zu identifizieren, sie lebendig (also natürlich nur bis zu ihrem tragischen Bühnentod) werden zu lassen. Dabei kommt es auch darauf an, flüssig zu sprechen. Denn das Tempo macht bei den Henks den Spielwitz aus. Und wenn alle schnell genug sprechen (aber bitte auch deutlich), bleibt am Ende auch genügend Zeit, das Sterben lange genug und effektvoll – hoffentlich zur Freude der Zuschauer – in Szene zu setzen.

 

pfeil_klein.gif (342 Byte) Sommer 2004

Eine rote oder eine blonde Perücke für die schrille und im wahrsten Sinne des Wortes männermordende Fabia? Silbergraues Haar für Athene und knallrote Plastikschuhe aus dem Karnevalsladen für den Clown. Die Startisten stürmen Kleiderkammern und Geschäfte, um sich bis hin zum Giftfläschchen allerlei Nützliches zu besorgen. Jetzt macht die Sache richtig Spaß. Die Truppe probt immer größere Abschnitte am Stück. Langsam sitzt der Text besser. Und in Kostümen ist es ein ganz anderes Gefühl, seine Rolle zu spielen. Was jetzt nur noch fehlt: Blut, jede Menge Blut – natürlich künstlich.

 

pfeil_klein.gif (342 Byte) September 2004
 

Der große Sessel ist durchgesessen. Was macht man denn da? Bloß nicht erkälten vom dauernden tot rumliegen auf dem kalten Kachelboden. Wer spielt denn den Kurzauftritt des Clowns im zweiten Akt? Es sind die kleinen Dinge, die geklärt werden müssen. Nur noch ein paar Tage bis zur Hauptprobe. Für die Startisten wird es genauso spannend wie für die Zuschauer.